West Coast Crusin

Im Roadster entlang des Highway One


Nur wenige hundert Meter vom Highway One entfernt, wird in einer Scheune in Half Moon Bay ein Lippenstift-Roter BMW 507 Roadster gefunden. Wie sich herausstellt, mit einem äußerst prominenten Vorbesitzer: Elvis Presley!

  

Vermutlich ist es kein Zufall, dass einer der bedeutsamsten und schönsten Roadster in der Geschichte des Automobils in der Nähe des Highway One entdeckt wird. 

Der Fundort lässt viel Spielraum für automobil-romantische Gedankenspiele: 

 

Wusste schon der King of Rock’n’Roll um die magische Kombination aus offenem Fahren und atemberaubender Natur? Schwelgte er mit Blick auf die nicht enden wollenden Strände und den offenen Ozean in Erinnerungen an vergangene Liebschaften? Was hätte der King erlebt, würde er heute Kaliforniens Küste zwischen San Francisco und Los Angeles mit dem Cabrio erFahren?


Highway One - Pacific Coast Highway

Der insgesamt knapp über 1.000 Kilometer lange Highway One verbindet den Norden der Westküste mit ihrem Süden. Dabei verläuft er zum Großteil direkt entlang der Pazifik-Küste. Der wohlklingende Name dieses Highway-Abschnitts könnte nicht passender und vielversprechender sein - Pacific Coast Highway.

 

Die Genießer unter den Autofahrern erwartet hier das reinste Eldorado. Unerschütterliche Felsformationen stellen sich gesäumt von Sandstränden der Wucht des Pazifiks entgegen. Hier präsentiert sich die Gewalt der Natur in ihrem vollem Ausmaß. Der Blick entlang der Küste scheint schier endlos. 

 

Dass zum Erkunden dieses Naturspektakels auch noch eine Küstenstraße zur Verfügung steht, muss wohl dem Gott der Auto-Liebhaber zu verdanken sein. Um dabei zu jeder Zeit einen freien Blick auf das sich darbietende Spektakel zu haben, empfiehlt es sich den Highway One in Richtung Süden zu befahren. Ein Weiterer Vorteil dieser Fahrtrichtung: einmal den Blinker gesetzt - und schon macht man halt an einer der zahlreichen Parkbuchten, um die Aussicht in sich aufzusaugen oder fotografisch zu verewigen. Der Anblick ist oftmals so beeindruckend, dass ihn wohl zeitlebens nichts mehr aus dem Langzeitgedächtnis verdrängt. 

 

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Der Blick entlang der Küste scheint schier endlos.  

Nun, da Grundsätzliches wie Fahrtrichtung und Wegstrecke geklärt sind, stellt sich die Frage, welche Stops en Route sich empfehlen. Schließlich ist selbst der möglicherweise größte Auto-Narr, in Form des Kings, nicht nur am reinen Kilometerfressen interessiert. Ein Charmeur seiner Klasse ist fortwährend auf der Suche nach den ganz besonderen Orten. Nicht zuletzt, um in der Gunst seiner lieb gewonnenen Beifahrerin zu steigen. Doch selbst als Alleinreisender würde er den Reizen der klangvollen Städte entlang seines Weges nicht widerstehen können.


San Francisco

Den Gedanken der Automobil-Romantik weitergeführt, könnte man mutmaßen, dass der Musiker Scott Mckenzie seiner Zeit wohl weniger Cabrio-affin gewesen sein dürfte. Als waschechter Cabrio-Enthusiast wäre er wohl kaum nach San Francisco gegangen. Vielmehr hätte er in diesem Fall seine Hommage mit ‚If you are driving to‘ begonnen. Also rein hypothetisch versteht sich.

 

Zudem wäre der empfohlene Blumenschmuck auf dem Haupthaar ohnehin spätestens beim Passieren der Golden Gate Bridge von Fahrtwind davongetragen worden. 

 

Dass die Brücke über das goldene Tor kein Geheimtipp, sondern viel mehr das zumeist in Nebel gehüllte Wahrzeichen der Fog City ist, schmälert den Charme eines Besuches keinesfalls. Wer San Fran besucht muss die Brücke überqueren.

 

Ist der Roadster abgestellt, kann man sich auf der Suche nach dem besten Aussichtspunkt auf die Brücke die Beine vertreten. Der ausgedehnte Fußmarsch entlang der Bay Area endet nicht selten an der Fishermans Wharf. Hier gibt es alles, was der Ozean unter seiner Oberfläche an Kulinarik zu bieten hat. Ist das Pensum an Fortbewegung aus eigener Kraft vorerst erreicht, erobert man die hügelige Innenstadt mit den berühmt berüchtigten Cable Cars. Spätestens an der Lombard Street sollte man jedoch wieder einen kleinen Zwischenstop einlegen. Der Blick durch die Serpentinen eröffnet eine traumhafte Sicht auf die Downtown und die Bay Bridge am Horizont.

 

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 Wer Frisco besucht muss die Brücke überqueren.


Monterey

Zurück im Cabrio der Wahl geht es weiter südwärts in das etwas über 100 Meilen entfernte Monterey. Anhänger des gehobenen Golfsports werden diesen Ort bereits zumindest in ihrem Träumen besucht haben. In der nahegelegenen Gated Community von Pebble Beach befinden sich einige Golf-Plätze der absoluten Extraklasse. Doch nicht nur in puncto Golf ist Pebble Beach echte Weltklasse. Jedes Jahr im August trifft sich hier das Who is Who der Sammler der wertvollsten Automobile und zeigt ihre edelmetallenen Kunstobjekte beim Concours d’ Elegance

 

Seinen eigenen imaginären Concours kann man mit dem Fahrzeug der Wahl auf dem nahegelegenen 17-Mile-Drive durchführen. Diese wunderschöne Küstenstraße führt unter dem Dach schützender Zypressen vorbei an romantischen Aussichtspunkten und verschiedenen Naturdenkmälern. Wer alleine fährt ist spätestens beim Anblick der Lone Cypress zu zweit. Für alle mit Begleitung, ist die einsam auf einem Felsvorsprung in der Brandung stehende Zypresse ein skurriles Motiv, dass sicherlich einen Schnappschuss wert ist.

 

Wenige Meilen weiter südlich versteckt sich die Kleinstadt Carmel by the Sea. Und ‚by the Sea‘ ist hier vor allem einer der schönsten Strände der Westküste. Halbmondförmig umarmt der weiße Sand das Pazifik-Ufer. Wohlwissend im Rücken hinter schützenden Zypressen ein Refugium für Kreative jeglicher Coleur zu beherbergen. Illustre Literaten wie Ernest Hemingway und John Steinbeck verewigten ihre Eindrücke von Flora und Fauna in dieser Umgebung in ihren Werken. Auch kulinarisch beeindruckt Carmel durch seine Vielseitigkeit: Neben dem Genuss von spanischen und französischen Spezialitäten, kann man die gewonnenen Eindrücke in einer Weinverkostungsstube seiner Wahl nachwirken lassen.

 

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Big Sur

Konnten sich die bisher gewonnen Eindrücke und die Nebeneffekte des Wein-Genusses  setzen, geht es im Cabrio weiter in Richtung Süden. Was sich auf den folgenden knapp 100 Meilen vor einem auf tut, stiehlt selbst dem feinsten Tropfen des Vortages die Show. Entlang des Big Sur genannten Küstenstreifens zwischen Monterey und Morro Bay folgt ein Spektakel auf das nächste. Praktisch hinter jeder Kurve wartet Neues und Überwältigendes. Nimmt man eine der versteckten Abzweigungen und steuert entlang der Serpentinen auf einen der angrenzenden Berge, wird man von einem unvergesslichen Blick auf die Küste und den Horizont belohnt. Vor allem zu Sonnenuntergang entstehen hier Momente, die man sein Leben lang nicht mehr vergisst. 

 

Doch am Big Sur beeindruckt nicht nur die Natur, sondern auch von Menschenhand geschaffenes. Die Bixby Creek Bridge zeigt eindrucksvoll wie der Mensch naturgegebene Hindernisse - in Form eines architektonischen Meisterwerks - überwindet. Doch imponiert einem diese bauliche Spitzenleistung noch so sehr:  Die urgewaltigen Felsen rund herum lassen keinen Zweifel an der Verteilung der Kräfteverhältnisse zwischen Mensch und Natur.

 

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Tief durchatmen - und den Augenblick genießen.


Santa Barbara

Solch grundlegenden Fragen sieht man sich in der idyllischen Altstadt von Santa Barbara nicht gegenübergestellt. An der amerikanischen Riviera dominiert die von Bougainvillea berankte mediterrane Architektur mit ihren roten Dachziegeln und sonnengebleichtem Stuck. Für ein paar erholsame Stunden am Strand oder im Stadtkern, kann der Roadster gerne abgestellt werden. Die zahlreichen Cafés und Restaurants lassen sich hier am besten zu Fuß entdecken. Weiter auf der State Street, erwischt man nicht selten wochenend-entflohene Showgrößen wie Oprah Winfrey oder Ellen DeGeneres beim Bummel entlang der Designer-Boutiquen.

 

Doch auch außerhalb der Altstadt bietet Santa Barbara Großartiges. In den nahegelegenen Bergen kann man sich bei einer Radtour sportlich betätigen, oder die Natur bei einer Reitexkursion auf dem Pferd erleben.

 

Wer in Monterey auf den Geschmack gekommen ist, kann in den Wein-Anbaugebieten von Santa Barbara seine Kenntnisse als Hobby-Sommelier weiter verfeinern. Auf dem Sideway Wine Trail locken Degustationen und Besichtigungen von Weingütern entlang der sonnengeküssten Hügellandschaft.

 

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Los Angeles

Nüchtern geht es weiter im Cabrio in die Stadt der Engel. Doch nüchtern - im Sinne von reduziert - ist nicht das Motto dieser Stadt. Auf dem Sunset Boulevard geht es in den ‚Radio an - Arm aus dem Fenster‘- Modus. Hier fühlt man sich, als wäre man direkt aus den Hollywood Hills gefallen und hätte nur kurz zum Flanieren, oder für den Champagner- Brunch, den Pool seiner Villa verlassen. Sehen und gesehen werden eben. 

 

Wer lieber gerne das große Ganze sieht, erklimmt das auf dem Mount Hollywood liegende Griffith Observatory. Hier wartet ein kilometerweiter Blick über die City of Angels, welche sich zuweilen verschleiert im eigenen Dunst vor einem aufbaut, als wäre man eine höhere Instanz.

 

Elvis Aaron Presley hingegen ist dem Boden der Tatsachen deutlich näher: in Form eines Sterns auf dem Walk of Fame. Dieser sich über 15 Häuserblöcke erstreckende Gehweg ist gesäumt von 2.648 Sternen und Teil jeder klassischen und empfehlenswerten geführten Tour durch Downtown Hollywood.

 

Etwas außerhalb von LA wartet zum Abschluss des Roadtrips noch ein ganz besonderer Ort. Die Küstenstadt Santa Monica. Begrenzt von einem einladenden Stadtstrand und gespickt mit vielen hervorragenden Restaurants und Bars, ist sie der ideale Wochenend-Zufluchtsort für alle, die das Flair der Westküste lieben. Hier genießt man seinen Nachmittag bei einem kleinen Snack und einer erfrischenden Margarita. 

 

Vermutlich hätte der King das Ende seines Roadtrips ebenfalls standesgemäß zelebriert. Er hätte über die schönen Moment der Reise sinniert, und mit Sicherheit hätten es einige davon auch an die Spitze der Liste seiner prägendsten Cabrio-Momente geschafft. Doch auch  der automobilen Romantik steht immer eine Wahrheit entgegen. Zum einen ist nicht überliefert, ob Elvis ein Fan von Autos oder gar Roadstern war.  Zum anderen verkaufte er seinen BMW 507 Roadster direkt nach seiner Ankunft aus Deutschland -wo er den BMW gekauft hatte- im Jahre 1960 in New York. Doch unabhängig davon: die Westküste kann man auch mit anderen Cabrios erobern!

 

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Vor allem zu Sonnenuntergang entstehen hier Momente, die man sein Leben lang nicht mehr vergisst.