Jeder Topf findet seinen Deckel, und jeder Individualist findet seine Profession – früher oder später. Dass wir Autonarren Freude am Besonderen haben, ist kein Geheimnis. Dass es aber wahrhaftige Schätze an Ideenreichtum unter begeisterten Autoenthusiasten gibt, spricht sich gerade erst herum. Selbst das schönste und gepflegteste Auto hat eine begrenzte Lebenszeit, was aber nicht bedeutet, dass es nach dem Stilllegen zum sprichwörtlichen "alten Eisen!" gehören soll. Denn: warum sollten unsere rollenden Schmuckstücke uns auch nur in der Garage erfreuen? Eine neue Bestimmung muss her für den Roadster oder seine Straßenkreuzerverwandtschaft. Etwas, das der Idee von Freiheit und Individualität, die das offene Dach transportiert gerecht wird. Und am besten ebenso gut aussiehtwie das fahrende Modell. 

 

Vom Cadillac zur Luxuscouch

Der Karosserieprofi: Martin Schlund lässt uns in Traumautos träumen 

"Diese Formen! Diese Kurven!" Martin Schlund gerät ins Schwärmen – wenn es um Oldtimer geht. Seit er denken kann, ist er Fan von alten Schmuckstücken; selbst fährt er zur Zeit einen alten Mercedes 250 S, ein echtes Kurvenwunder. Was liegt nahe, wenn die klassische Optik es einem angetan hat? Genau: man holt sich das, was man schön findet, nach Hause. Nicht nur in die Garage - auch ins Wohnzimmer. Damit man auch Abends auf der Couch vom lauen Fahrtwind träumen kann.

 

 Automöbeldesign SchlundAutomöbeldesign Schlund

 

Schlund hat in seinem Leben schon einige Berufe gehabt. Aufgewachsen im hohen Norden, trieb es ihn zunächst in die Wissenschaft. Der studierte Archäologe, der von sich selbst sagt, er könne sich PS-Zahlen grundsätzlich besser merken als wissenschaftliche Daten, findet sich als Doktorand zu weit weg von der Praxis. "Man liest mehr, als man ausgräbt." Das ist nicht der Weg, den er einschlagen möchte. Also kommt er, der erste radikale Bruch in der Biographie: statt die Archäologie weiter zu verfolgen, wird er Fitnessstudioleiter, zieht schließlich einmal quer durch die Republik ins schöne und autoafine München. Immer im Gepäck: seine Autoleidenschaft. Und die Idee, damit individuell etwas zu gestalten, mit dem man wohnen kann. Möbel aus Autoteilen – kein ganz neues Terrain für den experimentierfreudigen Norddeutschen.

 

Automöbeldesign Schlund

 

Denn schon kurz nach dem Fall der Berliner Mauer fuhr Martin Schlund mit einem Freund in die damalige DDR und kaufte sich einen nicht mehr fahrtüchtigen cremefarbenen Trabi. Die Front wurde zur Bar, das Heck zum Sofa. "Eigentlich schwebte mir eine Couch aus einem pink Cadillac vor – aber der Trabi kostete nur fünf Mark. Der Cadillac wäre definitiv eine andere Preisklasse gewesen...". An Individualität dürfte die Studentenbude mit Trabiausstattung trotzdem kaum zu überbieten gewesen sein, und der Plan war gezündet, auch wenn noch einige Zeit vergehen sollte, bis Schlundt seine Leidenschaft schließlich zum Beruf machen sollte. 

 

Eigentlich schwebte mir eine Couch aus einem Pink Cadillac vor

Mittlerweile sesshaft im baden-württembergischen Mundingen, baut der Autonarr seit fast 10 Jahren atemberaubend schnittige Möbel aus alten Karosserien. Und verwirklicht dabei individuelle Wünsche seiner Kunden. "Viele kommen auf mich zu, weil sie mit einem Auto besondere Erinnerungen verbinden. Vielleicht hatte der Vater einen alten Benz, vielleicht hat man den ersten Ausflug mit der zukünftigen Frau in einem alten Käfer gemacht.". Eine Kundin, erzählt Schlundt, hat über ein Jahr auf einen Sessel gespart, der aus der Rückbank eines Käfer 1302 gestaltet wurde. Der Grund? "Sie wurde in einem Käfer gezeugt", lacht Schlund. Und kann ihre Wohnung heute mit einem Möbelstück schmücken, das nicht nur besonders aussieht, sondern mit dem sie auch eine besondere Geschichte verbindet.

 

Automöbeldesign Schlund Automöbeldesign Schlund

 

Ungefähr 100 Automöbel hat Martin Schlund bis heute gebaut. Was er dazu wissen muss, hat er sich selbst beigebracht. Die gute Kondition des Sportlers ist dabei natürlich nützlich, und Schlund achtet darauf, nur Teile einzukaufen, die er selbst bewegen kann – und die durch seine Werkstatt- und Wohnungstür passen. Schließlich sollen die Schmuckstücke nicht nur schön, sondern auch praktisch sein. Eine weitere Voraussetzung? Es werden ausschließlich Autos verwendet, die nicht mehr restaurierbar und damit definitiv nicht mehr fahrtüchtig sind. "Sonst würde man ja Kulturgut von der Straße holen", sagt Schlund, und man spürt die Leidenschaft des Oldtimerfans, der mittlerweile als freischaffender Künstler zunehmend von der Möbelproduktion lebt.

 

 

Denn die vielfältigen Kreationen sprechen sich herum, und vom kleinsten Stück – dem Trabisideboard – bis zum opulenten Doppelbett aus einem amerikanischen Straßenkreuzer findet alles begeisterte Kunden. Die Mercedesstadt Stuttgart hat zum Beispiel mittlerweile ihr eigenes V8-Hotel – ausgestattet mit wunderbaren Designstücken aus Martin Schlunds kleiner Werkstatt. Hier kann man sich zum Beispiel in die schönen Formen eines Mercedes W 108 betten oder wie Herr Muth, Geschäftsführer von Roadster Tours und bekennender Autoliebhaber, im Cadillac von ausgedehnten Touren über die schönsten Strassen dieser Welt träumen. Am besten ganz stilecht, im offenen Roadster oder Cabrio. 

 
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Martin Schlund
Landecker Strasse 7
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