Das innovative Start-up: ein Motorblock fürs Wohnzimmer 

Wie Uwe Hegemann Geschwindigkeit in einzigartiges Design verwandelt 

 

"Im Sommer 2005 hat mir ein sehr autovernarrter Student ein Foto eines Tisches gezeigt, der aus einem V8 Ami-Big-Block gebaut war. Er hatte es zufällig im Internet gefunden. 6 bis 7 Liter Hubraum, Grauguss, 8-Zylinder und 90° Zylinderwinkel. Ein wichtiges Detail, denn wenn der Winkel so groß ist, der riesige Hubraum auf 8 Zylinder aufgeteilt wird, dann sollten Bier- und Weinflaschen rein passen! Ich habe das Foto gesehen und sofort gerufen: das will ich auch!" 

 

 Als ich den Tisch aus dem V8 Ami-Big-Block gesehen hatte, wußte ich: das will ich auch!

Uwe Hegemann ist nämlich nicht weniger Autonarr als sein junger Gesprächspartner von damals – und zudem leidenschaftlicher Cabriotourenfahrer. Einmal gezündet, war die Idee für das individuell- temporeiche Möbeldesign nicht mehr zu bremsen.

 

Denn: tatsächlich waren seine Frau und er zu dieser Zeit auf der Suche nach einem neuen Wohnzimmertisch. Hochwertig sollte er sein und stabil – aber keinesfalls langweilig. Im Möbelhaus wurden die beiden nicht fündig, aber der Investitionswille war vorhanden. Vielleicht war es eine Idee, ein wenig Geld in die Hand zu nehmen, um ein wirklich einzigartiges Möbelstück selbst zu bauen?

 

Für Frau Hegemann war es zunächst eine Spinnerei. Aber ihr Mann, seit jeher Fan von klassisch-schönen Autos, war nicht mehr zu bremsen. Und legte los, zunächst mit mäßigem Erfolg. Im gesamten Bekanntenkreis war kein defekter V8–Motor aufzutreiben, dessen Bestimmung man in Richtung Wohnzimmertisch hätte verändern können.

 

V12 CouchtischV12 Couchtisch

 

Nach einigen Tagen kam dann der Anruf: es gäbe da einen Motorblock, allerdings einen etwas anderen. BMW, Alu, 5 Liter, V12, 60° Zylinderwinkel. 5 Liter auf 12 Zylinder verteilt? Das ergibt definitiv keinen Platz für Wein- oder Bierflaschen. Auf der anderen Seite besticht das Material durch seine Leichtigkeit – und durch den Seltenheitswert des V12. Nicht zuletzt überzeugend: die Tatsache, dass der Motorblock nichts kosten sollte. Uwe Hegemann wollte es versuchen und war wenige Tage später bereits vor Ort, um den Motorblock mit einem Gabelstapler in seinen Anhänger laden zu lassen. Soweit, so gut – direkt nach dem Heimtransport kam das erste Problem des kurzentschlossenen Bastlers: "Ich bekam den Motorblock natürlich nicht mehr vom Anhänger herunter. Wer hat schon einen Gabelstapler zu Hause? Ich jedenfalls nicht. Also blieb mir nichts anderes übrig als ihn direkt im Anhänger zu zerlegen. Damit habe ich mich dann drei Abende beschäftigt." Viel Aufwand für eine fixe Idee. Und dann? Der Motor stank so extrem nach Benzin und altem Öl, dass kein Gedanke daran verschwendet werden konnte, ihn ins heimische Wohnzimmer zu stellen.

 

Erneut war Uwe Hegemanns Erfindungsreichtum gefragt. In einer Industriewaschmaschine wurden die Teile gesäubert und entfettet, was den Geruch bedeutend erträglicher machte. Und schließlich wurde der Motorblock noch gestrahlt, mit hervorragendem Ergebnis. Die Struktur des V8 wirkte so neu, als wäre er gerade erst aus der Gussform gefallen. Ein schöner Anblick, nicht nur für Autonarren. Hegemann entschloss sich deshalb, den Block nicht weiter zu behandeln oder zu lackieren. Und hat das, nach eigener Aussage, bis heute nicht bereut. Blieb doch so die spezielle Optik des Schmuckstücks erhalten.

 

 V12 CouchtischV12 Couchtisch

 

Jetzt ging es an den kreativen Teil, an Design und Konstruktion. Leuchtdioden oder nicht? Woher kommt der Strom, wohin passt ein Schalter? Die Statik spielte auch eine große Rolle: gerade die Schwere des unkonventionellen Möbelstücks verlangt nach einem festen Stand. Eigene Füße wurden konstruiert, damit das veredelte BMW-Innenleben nicht ins Wanken kam. Und schließlich: die Glasplatte, mit angeschnittenen Ecken und Facettenschliff, die auf eine speziell angebrachte Halterung, bestehend aus vier Kolben mit Pleuel des Motors, aufgelegt wurde. Fertig war der neue Couchtisch! Mit genau dem richtigen Flair für das Wohnzimmer eines BMW-Fans.

 

Folgearbeiten? Natürlich! Nämlich neue Aufträge. Das sportliche Design der schnittigen Ablagefläche hat sich nämlich herumgesprochen. Und Uwe Hegemann bastelt wieder, mittlerweile ohne Planungszwischenfälle. Damit für jeden Klassiker- und Cabriofan bald das richtige Möbelstück gefunden ist. Gewusst, wie. 

  

 

Automöbeldesign SchlundCooler V12 Couchtisch
Uwe Hegemann
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